Systembeschreibung

Kielradio arbeitet im Endausbau auf fünf Kanälen parallel. Jedem Kanal stehen zwei Sende- und zwei Empfangsfrequenzen zur Verfügung, von denen unser Operator die jeweils beste auswählt. Jeder Kanal verfügt über ein vollständig unabhängiges Sende- und Empfangssystem mit einem eigenen Modem und eigener genau abgestimmter Antenne. Die Modems sind mit unserem leistungsfähigen Linux-Server verbunden. Die eigene Notstromversorgung sorgt für unterbrechungsfreien Betrieb. Die Verbindung ins Internet wird über eine ISDN-Verbindung aus Datensicherheitsgründen nur bei Bedarf hergestellt. Der Server steht für einen direkten Zugriff von Landseite aus nicht zur Verfügung. Auf allen freien Frequenzen strahlt Kielradio eine Kennung aus. Sie setzt sich aus einem FSK-Signal und einem wiederkehrenden Morsecode zusammen, der alle drei Minuten erscheint.

So klingt unsere Kennung ("CQ CQ CQ DE DAO")

Nur wenn die Seefunkstellen dieses Signal hören, können sie eine Verbindung mit Kielradio herstellen. Auf diese Weise wird sichergestellt, dass es zu keinen Datenkollisionen durch den zeitgleichen Zugriff mehrerer Funkstellen auf die gleiche Frequenz gibt.

Marine HF-Modem Kielradio arbeitet ausschließlich im Pactor-II und Pactor-III Modus. Dieses Funkübertragungsverfahren ist das derzeit leistungsfähigste Funktelegrafieverfahren überhaupt. Durch das spezielle Modulationsverfahren sind Datenübertragungsraten bis zu 800 Bits / Sekunde möglich. Doch auch bei schlechten Funkstrecken ist Pactor-II immer noch allen anderen Kurzwellen-Übertragungsverfahren weit überlegen. In der Küstenfunkstelle verwenden wir ausschließlich Modems vom Typ PTC-II. Eine speziell für Kielradio modifizierte Software in den Modems (Firmware) steuert alle Abläufe auf der Kurzwellenstrecke. Ein besonderes Verschlüsselungsverfahren verhindert, dass ungebetene Zuhörer Meldungen an Dritte mitlesen können.

ICOM M-710 Als Sendeanlagen verwenden wir ICOM M-710 mit einer Ausgangsleistung von 125 Watt PEP. Für den Betrieb mit Kielradio müssen wir den Empfängern jedoch spezielle Filter vorschalten, damit sie unseren Anforderungen an Großsignalfestigkeit und Schmalbandigkeit genügen. Diese blenden Störungen anderer Stationen aus. Gerade russische Stationen arbeiten in der Nähe unserer Frequenzen immer noch in atemberaubenden Tempo im althergebrachten Tastfunk. Für unsere Antennen werden, mit Ausnahme der 13 MHz Frequenzen, Horizontal-Dipole verwenden, die wir entsprechend dem geplanten Zielgebiet ausrichten. Die 13 MHz Frequenzen strahlen wir mit einem Dreielement-Yagi ab. Solche Antennen richten das Sendesignal und verstärken es zusätzlich. Sie erhöhen darüberhinaus die Empfangsempfindlichkeit. Ihr Zielgebiet liegt zwischen den Kapverdischen Inseln und Neufundland.

Dell liefert den Server Um eine möglichst hohe Betriebssicherheit auf der Serverseite zur garantieren, läuft unserer Server unter Red-Hat-Linux auf einem Server der Firma Dell. Ausgestattet mit zwei unabhängigen Netzteilen, drei parallel arbeitenden 9 GByte Festplatten (Raid Level 5) und einem automatischen Bandsicherungssystem ist eine hohe Ausfallsicherheit gewährleistet. Eine eigene unterbrechungsfreie Stromversorgung hält bei Stromausfall den Betrieb der Sender und des Servers aufrecht. Alle elektrischen und logischen Betriebsparameter unseres Senders werden laufend überwacht, und alle Störgrößen mittels einer GSM-Alarmanlage an den Wachhabenden Funker übermittelt. Der Sender kann über die ISDN-Verbindung ferngewartet werden. So werden alle neuen Nutzer direkt vom Büro aus eingerichtet. Unsere Techniker haben sogar über die Funkstrecke Zugang auf die Nutzerdatenbanken, und können so selbst im entlegensten Hafen ohne Infrastruktur die Einträge bearbeiten.

Red Hat Linux Als Betriebssystem verwenden wir Linux. Das absturzsichere Betriebssystem mußte zwar an einigen Stellen für unseren schmalbandigen Betrieb erheblich verbogen werden. Doch kein anderes Betriebssystem erlaubt einen Einblick in die Source-Codes der verwendeten Programme. Wir mußten insbesonders die Emailfunktionen des Betriebssystems verändern, und ihnen unnötigen Datenoverhead beim Austausch von Mails abgewöhnen. Ein speziell entwickeltes Abrechnungssystem ermöglicht uns, die Verbindungsdaten der Seeschiffe sekundengenau abzurechnen. Als erste Email-Küstenfunkstelle sind wir heute schon darauf vorbereitet, Roaming-Verträge mit anderen Küstenfunkstellen abzuschließen und ihnen unsere ausgereifte Servertechnik als Komplettsystem anzubieten.